Androgynität und die Mode

Isabelle Ohnemus Isabelle Ohnemus / 1 year ago
Androgynität und die Mode

Photo: Valentino Pre Fall 2016 /www.nymag.com

Hallo Mode, Tschüss Geschlecht.

 
Androgynität ist die neue Bewegung. Kleidung kennt kein spezifisches Geschlecht und nie gab es mehr Möglichkeiten, um einfach man selbst zu sein. Aus „geschlechtslos“ ist „geschlechtsvoll“ geworden: Eine positive und einzigartige Identität, die jedem zusteht. Genau darum geht es: Sich selbst zeigen und wohlfühlen.

Generation Z schafft eine Kultur der Offenheit und der fließenden Geschlechtergrenzen. Geschlechtsneutrales Einkaufen und die dazugehörigen Werbekampagnen unterstreichen den Trend, mit dem der Industrie die eindeutige Sexualität entzogen wird. Und tatsächlich beweisen hohe Verkaufszahlen von Normcore und Athleisure Moden, dass dieser neue Hype auch seine wirtschaftliche Berechtigung hat. An der Spitze der neuen Welle der Akzeptanz für gelockerte Geschlechterregeln, stehen die jungen Leute, die Geschlecht ganz individuell und nach persönlicher Auffassung definieren (im Gegenteil zu den alten Normen an die es sich zu halten galt). Die Definition von Geschlecht hat sich verändert.

 
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Photo: Givenchy SS16/ Monica Feudi/ Indigitalimages.com

Back to Basics

Die Trends der Saison gehen alle zurück in Richtung Basics und zeigten sich in Form von sportinspirierten Jogginghosen, Hemden, Sneakers und Sweatshirts. Sportmode hat aus „Unisex“ eine eigene Sache gemacht. Die wahrscheinlich bekannteste geschlechtsneutrale Kollektion der letzten Saison war Rapper Kanye West’s „Yeezy Season One“ Kollektion. Die Athleisure Kollektion, in Zusammenarbeit mit Adidas Originals, wurde prompt von einer beeindruckenden Anzahl von mehr als 30 Händlern aufgenommen. Auch andere Marken treiben den Trend voran, wie beispielsweise J.W. Anderson, Rick Owens und Nico Panda. Sie schafften es erfolgreich alte Stereotypen vergessen zu machen und gleichzeitig zu den freien Geistern einer jungen Generation zu werden. Givenchy ging mit seiner SS16 Show noch einen Schritt weiter und präsentierte Männer in Röcken – ein Beweis dafür, dass ein Mann maskulin und feminin gleichzeitig sein kann.

 

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Photo: GUCCI SS16/ www.gucci.com

Fashion Technologie

Auch die Technologie hat verändert wie flexibel wir uns identifizieren können. Ähnlich wie mit der Herrenmode, erlaubt unsere freidenkende Gesellschaft, dass Identitäten sich von einem Moment auf den anderen, jeden Tag wieder, ändern oder anpassen können. Flexible Identitäten konnten nun auch nachgewiesen werden. Über 40% der jungen Briten sagten aus, sich weder als homosexuell noch als heterosexuell zu identifizieren (43% gaben an, sich irgendwo zwischen exklusiv heterosexuell und exklusiv homosexuell einzugliedern).

 
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Photo: Gucci Backstage SS16/ Photography Virginia Arcaro

Männer in High Heels?

Frauen, die Männermode oder davon inspirierte Kleidung auf dem Laufsteg tragen, sind keine Neuheit. Doch es ist zu spannend beobachten, wie die geschlechterspezifischen Merkmale auf den Fashion Weeks mehr und mehr ineinander überlaufen. Vielleicht werden Männer, die Damenmode tragen auch zu einem normalen Modestandard? Shows wie Prada und Gucci haben Androgynität und Geschlechtslosigkeit schon auf das nächste Level gehoben, und zeigten bereits Frauen, die bei der Men’s Fashion Week laufen bis hin zu Männern die Kleider, High Heels und Schleifen tragen. Bei Gucci begann der Trend, mit Männern, die wie Frauen aussehen (und teilweise auch waren). Weiblich aussehende Männermodels und männlich aussehende Frauenmodelle liefen vereint, in ihrer Silhouette, der Verarbeitungsart und dem Kleidungsstil, der jeder Geschlechtertrennung trotzte. Die Looks wurden absichtlich mehrdeutig inszeniert, mit längeren, losen Haaren als krönendem Beautytrend.

 
Geschlechter und geschlechtsspezifische Kleidung stellen für Designer eine weitere gesellschaftliche Komponente dar, mit der sie experimentieren und die sie dekonstruieren wollen. Es ist also endlich an der Zeit „Gender Fluidity“, also fließende Geschlechter, anzunehmen.

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